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Dirk Govers

Vom Aufhören zum Expandieren:

Drei Perspektiven auf die Zukunft der europäischen Schweinehaltung: Jessika van Leeuwen, Europaabgeordnete – Frank Mandersloot, Miteigentümer einer Kälberhaltung – Dorin Crizbasan vom rumänischen Unternehmen Doripesco kommen zu Wort.

„Europa braucht dringend niederländische Agrarinnovationen“

Als neu gewählte Europaabgeordnete für die BoerBurgerBeweging (BBB) bringt Jessika van Leeuwen nicht nur frischen Wind nach Brüssel, sondern auch eine tiefe Verwurzelung im Agrarsektor mit. Mit einem Hintergrund in Tierwissenschaften, einer Promotion zur Fruchtbarkeit bei Sauen und jahrelanger Erfahrung in der Schweineindustrie weiß sie wie kaum eine andere, wie Landwirte denken und was sie brauchen. „Landwirte verdienen nicht nur Anerkennung, sondern auch gerechtere Regeln“, betont Van Leeuwen.

Innovation als Stärke und Falle

Niederlande sind als Weltmarktführer in Agrarinnovationen bekannt. Der technologische Fortschritt, von Stickstoffreduktion bis Präzisionslandwirtschaft, stammt oft aus niederländischer Hand. Doch Van Leeuwen sieht darin auch eine Kehrseite. „Unser Antrieb zur Exzellenz führt zu strengen Regeln, die Landwirte oft stark belasten. Innovation sollte Freiheit bringen, wird aber jetzt genutzt, um noch strengere Vorschriften zu rechtfertigen.“

Laut Van Leeuwen stehen sich niederländische Landwirte mit ihrem eigenen Erfolg teilweise selbst im Weg. „Weil wir so weit voraus sind, werden wir zum Standard. Das ist bewundernswert, aber auch nicht haltbar. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Innovationen in ganz Europa verbreitet werden, damit auch andere Länder zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen.“

Unterschiede bei Regeln und Agrarklima innerhalb der EU

Obwohl die Europäische Union ein einheitliches Spielfeld anstrebt, zeigt die Praxis ein anderes Bild. „Vorschriften werden von jedem Land anders ausgelegt“, erklärt Van Leeuwen. Die Niederlande folgen den Brüsseler Verordnungen strikt, während andere Mitgliedstaaten oft weniger genau kontrollieren. Das führt zu unfairem Wettbewerb, bei dem niederländische Landwirte den Kürzeren ziehen.

 

Dazu kommt, dass Landwirte in Ländern wie Rumänien und Ungarn oft Subventionen erhalten, um neue Betriebe zu gründen. In den Niederlanden herrscht hingegen das Gegenteil: Landwirte geben massenhaft auf, wegen strenger Regeln, hoher Kosten und eines negativen Geschäftsklimas. „Wir sehen einen Teufelskreis. Das Land läuft leer, Einrichtungen verschwinden und damit auch die Zukunft für junge Generationen von Landwirten“, warnt Van Leeuwen.

Die emotionale Auswirkung des Aufhörens

Die Entscheidung aufzuhören trifft Landwirte tief, unabhängig von ihrer Branche. „Für viele ist es kein Beruf, sondern eine Lebensweise“, sagt Van Leeuwen. Sie beschreibt, wie das negative gesellschaftliche Klima eine Rolle beim Rückgang der Nachfolge spielt. „Wenn Kinder sich schämen zu sagen, dass sie vom Bauernhof kommen, ist das eine große Hürde, um den Familienbetrieb fortzuführen. Es fehlt an Wertschätzung, dabei ist diese gerade für Landwirte, die täglich hart arbeiten, um Lebensmittel zu produzieren, essenziell.“

Eine neue Perspektive in Brüssel

Von ihrem Sitz im Europäischen Parlament aus will Van Leeuwen sich für faire Regeln und ein besseres Geschäftsklima einsetzen. „Wir müssen aufhören, ständig neue Vorschriften zu stapeln und unnötige Bürokratie zu schaffen“, betont sie. Gemeinsam mit der BBB arbeitet sie an einer klareren und gerechteren Agrarpolitik. Innovation soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Ihr ideales Zukunftsbild? „Ein Europa, in dem die Niederlande weiterhin Vorreiter bei Innovationen bleiben, aber auch andere Länder diese Technologien übernehmen. Nicht um sich gegenseitig zu übertrumpfen, sondern um sich gegenseitig zu stärken. Nur gemeinsam können wir die Ernährungssicherheit in Europa gewährleisten.“

Laut Van Leeuwen ist es entscheidend, dass Brüssel nicht nur auf die Einhaltung der Regeln achtet, sondern auch Länder belohnt, die bereits vorausgehen. „Wir dürfen die Niederlande nicht bestrafen, sondern müssen sie als Motor der europäischen Agrarinnovation anerkennen.“

Mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund und der starken Verbindung zum Agrarsektor bringt Jessika van Leeuwen eine wertvolle Stimme nach Brüssel. Sie plädiert für mehr Gleichheit in der EU, ein Geschäftsklima, das Innovation belohnt, und eine Gesellschaft, die Landwirte wertschätzt. „Wenn Europa die Stärke der niederländischen Landwirtschaft erhalten will, müssen wir gemeinsam in faire Chancen und zukunftssichere Lösungen investieren.“

Eine neue Zukunft nach 100 Jahren Familiengeschichte

In Renswoude, mitten im Grünen, befindet sich der Ort, an dem die Familie Mandersloot seit über einem Jahrhundert Bauernblut in den Adern hat. Frank Mandersloot ist zusammen mit seinen drei Brüdern Eigentümer der Kälberhaltung Mandersloot und steht an der Spitze dieses Familienunternehmens, das sich inzwischen zu einem vielseitigen Betrieb entwickelt hat. Neben der Kälberhaltung betreibt die Familie auch Transportunternehmen: Mantrans BV, spezialisiert auf Tiertransporte, und PJ Hoogendoorn Transport BV, das schwere Baumaterialien befördert. Doch nach mehr als 60 Jahren in der Kälberbranche hat die Familie eine weitreichende Entscheidung getroffen: Die Kälberhaltung wird eingestellt.

Ein Familienunternehmen mit reicher Geschichte

Die Wurzeln der Familie Mandersloot reichen tief. „Auf unserem Bauernhof betreiben wir als Familie seit über 100 Jahren Landwirtschaft“, erzählt Frank. „Es begann einst im kleinen Rahmen mit ein paar Kühen, Schweinen und Hühnern. In den 60er Jahren, als die Kälberhaltung in den Niederlanden aufkam, machte mein Großvater die ersten Schritte in diesem Sektor. Seitdem sind wir auf Mastkälber für Kalbfleisch spezialisiert. Wir arbeiten mit einem All-in/All-out-System und halten in unserem Stall 1.680 Kälber, die wir mit Milch und einer Müsli-Mischung füttern.“ Dieser sorgfältige Ansatz führt zu zartem Fleisch, für das die Familie bekannt ist.

Für Frank wurde die Arbeit mit der Muttermilch aufgesogen. „Ich bin auf dem Kälberhof geboren. Während meine Eltern die Kälber fütterten, saßen wir als Kinder im Kinderwagen. Das Bauernleben liegt uns im Blut.“

Die Entscheidung aufzuhören

Die ersten Risse in der Kontinuität des Familienbetriebs entstanden 2019, als der Staatsrat das Programm zur Stickstoffreduzierung (PAS) für ungültig erklärte. „Unser Stall aus dem Jahr 1973 wurde 2023 als Spitzenemittent eingestuft“, erklärt Frank. „Wir standen vor einer schwierigen Wahl: Entweder in einen kompletten Neubau mit hohen Kosten und einem unsicheren Genehmigungsverfahren investieren oder aufhören und die Ausstiegsregelung nutzen.“

Unternehmertum bedeutet oft, Entscheidungen zu treffen, und diese wurde nicht leichtfertig getroffen. „Mit dem Herzen wollten wir weitermachen. Wir sehen Chancen auf dem niederländischen Markt, aber die Unsicherheit bezüglich der Vorschriften und die hohen Investitionskosten machten es unmöglich.“

 Ein neuer Fokus

Die Entscheidung aufzuhören bot jedoch auch Chancen. „Unsere Kälberhaltung und das Transportunternehmen Mantrans BV befinden sich am selben Standort“, erzählt Frank. „Seit Jahren möchten wir eine Halle bauen, um unseren Fuhrpark hygienisch zu reinigen. Durch die Teilnahme an der Ausstiegsregelung schaffen wir Raum, dies zu verwirklichen. Das Transportunternehmen wird nun unser Hauptfokus.“

Eine Zukunft ohne Kälber

Auch wenn das Bauernleben vorerst endet, bleiben die Wurzeln tief verankert. „In den vergangenen 100 Jahren hat sich unser Betrieb schon öfter angepasst. Jetzt konzentrieren wir uns auf den Transport, aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Wenn sich eine schöne Gelegenheit ergibt, an einem anderen Ort wieder einen Bauernhof zu gründen, schließen wir das nicht aus. Wir bleiben schließlich Landwirte durch und durch.“

Mit einer gesunden Portion Ehrgeiz blickt Frank nach vorn. „Es ist eine neue Phase, aber auch eine Chance, unser Familienunternehmen zukunftssicher zu machen. Wir hängen gerne noch einmal 100 Jahre dran.“

Aufbau der Zukunft einer nachhaltigen Schweinehaltung in Rumänien

Doripesco, ein etablierter Name in der rumänischen Aquakultur, hat in den letzten Jahren ehrgeizige Schritte zur Erweiterung seiner Schweinehaltungsaktivitäten unternommen. CEO Dorin Crizbasan verbindet Leidenschaft mit Innovation, um einen zukunftssicheren und nachhaltigen Ansatz zu verwirklichen. Warum entscheidet sich dieser Unternehmer für eine Expansion in Rumänien?

Vom Fisch zum Fleisch

Seit der Gründung im Jahr 1995 ist Doripesco ein wichtiger Akteur in der Fischzucht und -verarbeitung mit Sitz am Dumbrăvița-See, einem geschützten Naturgebiet. Obwohl die Aquakultur immer ein Schwerpunkt bleibt, hat sich das Unternehmen 2019 entschieden, seinen Horizont mit dem Start von Schweine- und Rinderhaltungen zu erweitern. „Unsere Motivation war einfach“, erklärt Crizbasan. „Wir wollten hochwertige Rohstoffe für unsere Restaurants produzieren und gleichzeitig auf die steigende Nachfrage nach lokal und nachhaltig erzeugtem Fleisch reagieren.“

Expansionspläne in der Schweinehaltung

Die jüngste Investition von Doripesco ist der Bau von zwei hochmodernen Schweinehaltungen. Die Anlagen bieten Platz für 7.450 Schweine pro Zyklus, verteilt auf mehrere Ställe mit fortschrittlichen Technologien wie Belüftungssystemen, automatischen Fütterungsanlagen und Überwachungstools. Mit einer Kapazität von 3,2 Produktionszyklen pro Jahr reagiert das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach lokal produziertem Schweinefleisch in einem Markt, der stark von Importen abhängig ist. „Rumänien importiert derzeit 60 % des konsumierten Schweinefleischs. Das stellt ein Risiko für die Ernährungssicherheit dar“, sagt Crizbasan. „Mit unseren neuen Anlagen möchten wir zu einer stabileren inländischen Produktion beitragen.“

Von der Regierung gefördert

Nachhaltigkeit ist ein roter Faden in allen Aktivitäten von Doripesco. In den neuen Schweinehaltungen werden Biosicherheitsmaßnahmen eingesetzt, um Tierkrankheiten zu verhindern. Dies wurde unter anderem durch ein Förderprogramm zur Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe ermöglicht. „Wir sehen Nachhaltigkeit nicht als Option, sondern als Verpflichtung“, betont Crizbasan.

Außerdem werden Restströme des Unternehmens wiederverwendet und Initiativen ergriffen, um den ökologischen Fußabdruck weiter zu verkleinern. Diese Bemühungen passen nahtlos zu den Regierungszielen, die Landwirtschaft nachhaltiger und zukunftssicher zu gestalten.

Herausforderungen und Chancen

Die Expansion in Rumänien ist nicht ohne Herausforderungen. Der Markt ist volatil, die Produktionskosten steigen und strengere Vorschriften erfordern ständige Investitionen in Technologie und Schulung. Zudem hatte das Unternehmen mit einem verheerenden Brand im Jahr 2023 zu kämpfen, der Teile der Fischverarbeitungsanlage zerstörte. Dennoch sieht Crizbasan diese Hindernisse als Chancen, gestärkt zurückzukehren.

„Herausforderungen zwingen uns, innovativ zu bleiben“, sagt er. „Indem wir in moderne Anlagen investieren und gleichzeitig unseren Kernwerten treu bleiben, bauen wir ein widerstandsfähiges Unternehmen auf, das für die Zukunft gerüstet ist.“

Mit Zuversicht in die Zukunft

Die Vision von Doripesco für die Zukunft ist klar: weiteres Wachstum in der Schweinehaltung, Förderung nachhaltiger Produktion und ein positiver Einfluss auf den rumänischen Lebensmittelmarkt. Mit Investitionen in Technologie, Logistik und Produktdiversifizierung setzt das Unternehmen Maßstäbe für einen neuen Standard in der Branche. „Unsere Mission ist es nicht nur, hochwertige Produkte zu liefern, sondern auch ein Beispiel dafür zu sein, wie Tradition und Moderne Hand in Hand gehen können“, schließt Crizbasan ab.

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