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Dirk Govers

Der Lange Schwanz

In der niederländischen Schweinehaltung wird viel über den langen Schwanz diskutiert. Der Schwanz hat durchaus eine wichtige Funktion im Leben eines Schweins. Das Ziel wurde klar formuliert: Ab 2030 sollen keine Schwänze mehr kupiert werden. Das scheint noch weit entfernt, erfordert aber auch erhebliche Forschung, um zu einem guten Prozess für die Haltung von Schweinen mit Ringelschwanz zu kommen. Wir suchen nach verschiedenen Perspektiven auf diese neue Entwicklung. Wir werfen einen Blick über die Grenze nach Deutschland, betrachten das Thema aus hygienischer Sicht im HyCare-Stall, hören die Meinung eines niederländischen Futtermittelherstellers und fragen uns, welche Folgen dies für das europäische Interesse an niederländischen Ferkeln haben könnte.

Mart Smolders

Unternehmen: The Schippers Group

Ein sauberer Start

The Schippers Group ist als Hygienespezialist in der Branche bekannt und betrachtet alles aus der Perspektive der Hygiene. Im Gespräch mit Mart Smolders, HyCare-Direktor bei Schippers, gehen wir darauf ein, wie Hygiene einen positiven Einfluss auf die Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen hat.

HyCare, ein von Schippers entwickeltes Konzept, konzentriert sich speziell auf die Optimierung von Hygiene und Pflege in Schweineställen, mit dem Ziel, Stress zu reduzieren, die Gesundheit zu fördern und unerwünschtes Verhalten wie Schwanzbeißen zu verhindern. Laut Mart Smolders ist HyCare nicht nur auf Hygiene ausgerichtet, sondern auch auf die Förderung des Wohlbefindens der Schweine: „Wir streben danach, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Schweine wohlfühlen und natürliches Verhalten zeigen können, einschließlich der Nutzung ihres Schwanzes. HyCare geht über die reine physische Hygiene hinaus. Es geht darum, eine Umgebung zu schaffen, in der Schweine sich wohlfühlen und weniger Stress erleben“, so Smolders.

Demonstrationsbetrieb ‚Der Lange Schwanz‘

Eines der dringendsten Probleme in der Schweinehaltung ist das Schwanzbeißen. Dieses Verhalten, das durch eine Kombination von Faktoren wie Klima, Hygiene, Fütterung und Pflege verursacht wird, führt zu Gesundheitsproblemen und wirtschaftlichen Verlusten. Der Demonstrationsbetrieb von Schippers, ‚Der Lange Schwanz‘, geht dieses Problem an, indem er die Bedingungen für die Schweine verbessert. „Durch die Anwendung unserer HyCare-Strategie schaffen wir eine Umgebung, in der die Schweine weniger gestresst sind und seltener zu unerwünschtem Verhalten neigen“, erklärt Smolders.

Das Projekt zeigt, dass ein integrierter Ansatz, bei dem alle Faktoren systematisch angegangen werden, effektiv zur Verringerung des Schwanzbeißens beiträgt. Smolders betont, dass es nicht darum geht, nur eine einzelne Maßnahme zu testen, sondern ein Gesamtpaket an Maßnahmen zu ergreifen, die gemeinsam für bessere Lebensbedingungen und Gesundheit der Schweine sorgen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Schweine mit langen Schwänzen im Demonstrationsstall von Schippers zeigen weniger Stress und Aggression, was zu weniger Schwanzbeißen und verbessertem Wohlbefinden führt.

Dieses Projekt berücksichtigt sowohl ethische Überlegungen als auch wirtschaftliche Effizienz, indem das Schwanzbeißen bei Schweinen reduziert wird. Ziel ist es, das Tierwohl zu verbessern und gleichzeitig die wirtschaftliche Leistung der Landwirte zu optimieren.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Mit den immer strengeren europäischen Vorschriften ist es für Schweinehalter unerlässlich, sich anzupassen. Smolders merkt an, dass die Niederlande oft Vorreiter bei gesellschaftlichen Entwicklungen sind und andere Länder folgen. „Wir müssen an einem System arbeiten, das nicht von Einzelpersonen abhängig ist, sondern in dem die Grundvoraussetzungen für alle stimmen.“

Obwohl die Ergebnisse positiv sind, erkennt Smulders an, dass die Implementierung des HyCare-Systems Herausforderungen mit sich bringt. „Es erfordert eine andere Arbeitsweise und ein anderes Management. Es ist keine schlüsselfertige Lösung, die man einfach zu seinem bestehenden System hinzufügt. Es bedarf einer sanitären Revolution in den Betrieben“, sagt er. Das bedeutet eine erhebliche Veränderung der Arbeitsweise und ein hohes Maß an Disziplin und Konsequenz bei der Umsetzung von Hygienemaßnahmen.

Smolders betont die Bedeutung eines robusten Systems, das nicht von einzelnen Pflegern abhängig ist. Dies erfordert Zusammenarbeit und Vertrauen in das System, aber die Vorteile sind klar: bessere Gesundheit der Schweine und wirtschaftliche Vorteile für die Landwirte.

Leon van Dijck

Unternehmen: Schweinehaltung Düben GmbH & Co. KG

Deutschland Vorreiter bei langen Schwänzen

Deutschland hat eine führende Rolle bei den Tierschutzmaßnahmen für Schweine übernommen. So ist es in vielen deutschen Betrieben bereits verpflichtend, 5–10 % der Schweine mit langen Schwänzen zu halten, und ab 2024 wird dieser Prozentsatz voraussichtlich noch weiter steigen. Leon van Dijck erklärt: „In Deutschland sind die Vorschriften zum Tierschutz strenger und es wird bereits mit nicht kupierten Schwänzen experimentiert. Dieser Ansatz wird von der grünen Politik unterstützt, die stark auf Nachhaltigkeit und Tierschutz setzt.“

Leon van Dijck, Inhaber von Schweinehaltung Düben, einem Zuchtbetrieb für Zuchtläuferinnen in Deutschland, hat bereits Erfahrung mit der Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen. „Wir liefern bereits 5 % unserer Ferkel mit langen Schwänzen an unsere Kunden“, berichtet van Dijck. Dies erfordert einen intensiven Ansatz, bei dem gutes Management und Aufmerksamkeit des Personals entscheidend sind. „Wenn zum Beispiel eine Futterstelle leer ist, kann dies zu Beißverhalten führen. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass immer ausreichend Futter und Wasser zur Verfügung stehen.“

Beschäftigungsmaterial

Die Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Das größte Risiko ist das Schwanzbeißen, was zu schweren Infektionen und Krankheiten führen kann. Um dem entgegenzuwirken, ist es entscheidend, dass die Ställe gut gemanagt werden. Das bedeutet, dass das Personal geschult sein muss, um bei Anzeichen von Schwanzbeißen schnell zu handeln, und dass ausreichend Beschäftigungsmaterial vorhanden ist. Ein regelmäßiger Wechsel dieses Materials ist wichtig, um die Aufmerksamkeit der Tiere zu erhalten.

Gute Genetik

Die Testphase mit langen Schwänzen dient als Vorbereitung auf die vollständige Umsetzung dieser Tierschutzstandards im Jahr 2030. Dies erfordert auch Anpassungen in der Zuchtpraxis, wie die Auswahl von Genetik, die weniger zu Beißverhalten neigt. Van Dijck ist überzeugt, dass die Branche darauf vorbereitet sein muss: „Wir müssen stärker auf ruhige Genetik züchten, die weniger aggressiv ist.“ Kurz gesagt, mehrere Faktoren beeinflussen das Beißverhalten der Ferkel. „Zusammenarbeit innerhalb der Branche ist daher sehr wichtig, um dies zum Erfolg zu führen“, so Leon.

Chancen und Risiken

Der Übergang zu langen Schwänzen bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits kann dies zu einem besseren Image des Sektors und zu mehr Akzeptanz bei den Verbrauchern beitragen. Andererseits bringt es höhere Kosten mit sich, da ein besseres Management erforderlich ist und das Infektionsrisiko steigt. Van Dijck merkt an: „Obwohl die Haltung von langen Schwänzen die Kosten erhöht, kann sie langfristig zu einer nachhaltigeren und ethischeren Schweinehaltung beitragen.“

Europäische Vorschriften
Im Jahr 2030 werden die Vorschriften zu langen Schwänzen in ganz Europa gelten. Deutschland importiert viele Ferkel, zum Beispiel aus Dänemark. Wenn diese Ferkel importiert werden, sind die Schwänze derzeit noch kupiert. Das ist nach der deutschen Gesetzgebung derzeit noch erlaubt, aber langfristig müssen auch importierte Ferkel lange Schwänze haben. Sollte die deutsche Regierung diese Vorschriften schon vor 2030 einführen, hätte das auch große Auswirkungen auf die Länder, aus denen Deutschland importiert.

Alfons Vrijkorte

Unternehmen: Mischfutterbetrieb Gebrs. Fuite BV

Ernährung ist eines der Glieder

Alfons Vrijkorte ist ein Bauernsohn und beschäftigt sich schon sein ganzes Leben mit Schweinen. Seit 1986 arbeitet er in der Mischfutterbranche, davon die letzten 14 Jahre bei dem Mischfutterunternehmen Gebrs. Fuite BV. Für Gebrs. Fuite war Schweinefutter damals noch ein unbekannter Bereich, aber in den letzten 10 Jahren wurde hier viel aufgebaut. Auf dem Papier ist Alfons Teamleiter, aber er ist täglich selbst im Stall zu finden. Gemeinsam mit den Landwirten schaut er sich die Zusammensetzung des Futters an, prüft, ob es Probleme gibt und ob gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Alfons betont, dass die richtige Ernährung einen direkten Einfluss auf die allgemeine Gesundheit und das Verhalten der Tiere haben kann. „Unser Futter ist darauf ausgelegt, das natürliche Wachstum und die Gesundheit der Schweine zu unterstützen. Mit dem Gedanken an die Bewegung für lange Schwänze passen wir unsere Rezepturen kontinuierlich an, um die Tiere so komfortabel und gesund wie möglich zu halten“, sagt Alfons.

Futter als Mittel gegen Schwanzbeißen

Ein wichtiger Aspekt bei der Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen ist die Minimierung des Schwanzbeißens – ein Verhalten, das oft aus Stress und Nährstoffmangel resultiert. Alfons erklärt, dass die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung von Stress und der Förderung eines gesunden Verhaltensmusters bei Schweinen spielt. „Wir arbeiten ständig daran, unsere Futterzusammensetzung zu verbessern, um nicht nur die körperliche Gesundheit der Schweine zu steigern, sondern auch ihr Verhalten positiv zu beeinflussen. Durch das Angebot der richtigen Nährstoffbalance können wir das Risiko von Schwanzbeißen erheblich verringern“, sagt er.

Laufende Entwicklungen
„Endotoxine verursachen Stress bei den Tieren, was zu unerwünschtem Verhalten wie Schwanzbeißen führen kann. Indem wir unser Futter so zusammenstellen, dass die Produktion von Endotoxinen reduziert wird, können wir zum Wohlbefinden der Schweine beitragen“, erklärt Alfons.

Darüber hinaus gibt es Testbetriebe, in denen verschiedene Futterrezepturen ausprobiert werden, um herauszufinden, welche am effektivsten die Schweine mit langen Schwänzen unterstützen. Es wird auch mit Zusätzen im Futter experimentiert, die das Verhalten der Tiere beruhigen.

Die Zukunft von langen Schwänzen

Alfons hat eine klare Vision für die Zukunft. „In zwei Jahren werden wir erhebliche Fortschritte in unseren Untersuchungen und Tests gemacht haben. Wir erwarten, dass dann bereits einige Betriebe vollständig auf die Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen umgestellt haben. In zehn Jahren wird dies der Standard in der gesamten Branche sein“, prognostiziert er. Dieser Übergang wird nicht ohne Herausforderungen sein, aber die kontinuierliche Verbesserung der Ernährung und die Zusammenarbeit mit anderen Sektoren werden dafür sorgen, dass die Ziele erreichbar sind.

Einschränkungen und Vorschriften

Es gibt jedoch auch Einschränkungen und Vorschriften, die berücksichtigt werden müssen. „Die kleinen Komponenten, die das Futter teurer machen, müssen mit der Wettbewerbsfähigkeit in Einklang stehen. Wir können die Kosten nicht einfach erhöhen, sonst verlieren wir unsere Marktposition. Deshalb arbeiten wir hinter den Kulissen hart an Verbesserungen, ohne die Kosten steigen zu lassen“, so Alfons.

Auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen spielt eine Rolle. „Soja ist zum Beispiel ein kontroverses Thema wegen der CO2-Reduktion. Wir müssen auf mögliche zukünftige Einschränkungen vorbereitet sein und nach nachhaltigen Alternativen suchen“, sagt er.

Fragen von den Landwirten

Alfons merkt, dass bereits Anfragen von Landwirten kommen, das Futter für Schweine mit langen Schwänzen anzupassen. „Wir waren proaktiv bei der Entwicklung von Futter, das Stress reduziert und das Verhalten der Tiere positiv beeinflusst. Die Landwirte erkennen nun auch die Vorteile und fragen nach Anpassungen in der Futterzusammensetzung“, erklärt er.

Zusammenarbeit innerhalb der Branche

Abschließend betont Alfons die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der Branche. „Die Zukunft der Schweinehaltung mit langen Schwänzen hängt von der Zusammenarbeit verschiedener Akteure in der Kette ab, wie Genetik, Gesundheit und Ernährung. Wenn wir gemeinsam an Lösungen arbeiten, können wir große Fortschritte machen“, schließt er.

Gert Posthouwer

Betrieb: VAEX Schweine- und Viehhandel

Zusammenarbeiten, um Veränderungen in Gang zu setzen

Mit dem bevorstehenden Verbot des Kupierens von Schweineschwänzen im Jahr 2030 stehen viele Schweinehalter vor großen Herausforderungen. Gert Posthouwer, Vertriebsverantwortlicher für Ferkel in Ost- und Westeuropa bei VAEX Schweine- und Viehhandel, bespricht die aktuelle Situation, die Hindernisse beim Export und wie VAEX eine Rolle beim Übergang in eine Zukunft mit Ferkeln mit langen Schwänzen spielen kann. Gert Posthouwer betont: „Die Herausforderung liegt nicht nur darin, unsere eigenen Prozesse anzupassen, sondern auch unsere Kunden und Lieferanten bei diesem Übergang zu begleiten.“ Für VAEX bedeutet das, dass wir intensiver mit Futtermittellieferanten, Genetikexperten und Stallplanern zusammenarbeiten müssen, um Lösungen zu finden, die aggressives Verhalten bei Schweinen verringern.

Vorreiterländer

Innerhalb Europas gibt es bereits Länder, die sich proaktiv an die neuen Vorschriften anpassen. Deutschland, die Niederlande und Dänemark gelten als Vorreiter. In Deutschland unterscheiden sich die Vorschriften derzeit noch je nach Region. „In Mittel- und Ostdeutschland sind die Regeln beispielsweise strenger als in anderen Teilen“, sagt Posthouwer. Das zeigt die Komplexität bei der Umsetzung einheitlicher europäischer Vorschriften.

Entscheidende Anpassungen

Für einen erfolgreichen Übergang in eine Zukunft mit langen Schwänzen sind verschiedene entscheidende Anpassungen notwendig. Die Genetik spielt dabei eine Schlüsselrolle. „Es ist wichtig, jetzt schon mit genetischen Anpassungen zu beginnen, um weniger aggressive Schweine zu züchten“, so Posthouwer. Weniger aggressive Schweine sind weniger geneigt, sich gegenseitig in die Schwänze zu beißen, was einer der Gründe für das bisherige Kupieren ist.

Erfahrungen in verschiedenen Ländern

Die Erfahrungen mit Schweinen mit langen Schwänzen unterscheiden sich stark von Land zu Land. In Dänemark experimentieren einige Landwirte bereits mit 1 % ihrer Herde. „Aber selbst dieser kleine Prozentsatz kann Probleme verursachen“, sagt Posthouwer. „Kunden wollen keine Ferkel mit langen Schwänzen und rufen sofort an, wenn sie doch ein paar bekommen.“ In Ungarn werden Schweine auf Stroh gehalten, was das Wachstum verlangsamt, aber das Wohlbefinden fördert und das Schwanzbeißen reduziert.

Die Rolle von VAEX

VAEX kann in diesem Übergang eine wichtige Rolle spielen. Posthouwer betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Wir müssen die Parteien zusammenbringen, wie Futtermittellieferanten, Züchter und Landwirte, damit alle für 2030 bereit sind.“ Durch Demonstrationsställe und Pilotprojekte kann sich die Branche auf die praktischen Aspekte der Haltung von Schweinen mit langen Schwänzen vorbereiten. „Wir müssen gemeinsam mit unseren Partnern an Lösungen arbeiten, die sowohl das Wohl der Tiere als auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit für die Landwirte gewährleisten“, so Posthouwer.

Auch die Landwirte sollten jetzt schon mit den Vorbereitungen auf die Veränderungen beginnen. Posthouwer empfiehlt, genetische Anpassungen vorzunehmen und Futter sowie Stallausstattung zu überdenken. Es ist entscheidend, dafür zu sorgen, dass Schweine sich nicht langweilen, da Langeweile zu aggressivem Verhalten führen kann. „Die Anpassung des Futters und die Verbesserung des Stallklimas sind wichtige Schritte“, sagt er.

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