Die niederländische Milchwirtschaft befindet sich im Wandel. Die Erträge schwanken, Genehmigungen sind schwer zu bekommen und gesellschaftliche Diskussionen sorgen für Unsicherheit. Dennoch sieht Marijn Dekkers, Sektormanager bei der Rabobank und selbst in der Branche aufgewachsen, viele Perspektiven. „Für diejenigen, die bleiben, sieht es gar nicht schlecht aus. Die Nachfrage nach Milch bleibt stabil und Unternehmer wollen vorankommen.“
Marijn kennt die Milchwirtschaft von innen heraus. Er wuchs in Zeeland in einer Milchviehfamilie auf. „Das bleibt einem immer im Gedächtnis“, erzählt er. „Das Schöne an der Branche ist, dass es um Familienbetriebe geht. Es dreht sich um Lebensmittelproduktion, um Langfristigkeit und Kontinuität. Das spricht mich sehr an.“
Nach seinem Studium arbeitete er zunächst einige Jahre zu Hause im Betrieb neben seiner Tätigkeit bei der Bank, später wechselte er ganz zur Bank. Inzwischen arbeitet er schon viele Jahre bei der Rabobank, davon die letzten 13 Jahre als Sektormanager Milchwirtschaft. „In dieser Rolle unterstütze ich unsere Food- und Agrar-Teams in ganz Niederlande. Ich beschäftige mich mit Vorträgen, Schulungen, Richtlinien, Visionen und natürlich viel Kontakt mit Unternehmern. So bleibe ich nah an der Praxis.“
Gewinn und Verlust liegen nah beieinander
Dass die Branche herausfordernd ist, steht außer Frage. „Im einen Jahr liegt der Milchpreis einfach mal zehn Cent höher oder niedriger“, erklärt Marijn. „Und dieser Unterschied ist riesig für das Einkommen. Gleichzeitig steigen die Kosten, zum Beispiel für Gülleabfuhr, Energie, Land – aber der Milchviehhalter kann seinen Preis nicht selbst erhöhen. Man muss also kreativ sein, um den steigenden Kosten zu begegnen.“
Deshalb sieht man laut ihm immer mehr Landwirte, die ihr Geschäftsmodell verbreitern oder vergrößern. „Neben dem Wachstum der Betriebe sehen wir auch Aktivitäten wie eigene Milchverarbeitung, Energieerzeugung und Gastronomie, andere schließen sich Nachhaltigkeitsprogrammen an, um den Milchpreis im bestehenden Umfang zu erhöhen. Man merkt, dass Unternehmer nach Wegen suchen, um Mehrwert zu schaffen.“
Stickstoff und Genehmigungen wiegen schwer
Seit 2019 ist das Stickstoffthema eine tägliche Herausforderung. Neue Genehmigungen zu bekommen, erweist sich als schwierig und behindert Erweiterungen. Auch die Abschaffung der Ausnahmeregelung, das Recht, mehr Gülle auf Grünland auszubringen, hat große Folgen. „Betriebe müssen jetzt mehr Gülle abführen, und diese Kosten haben sich in den letzten Jahren verdoppelt. Das ist wirklich eine große Belastung geworden.“
Außerdem schwebt die Diskussion über Flächenbindung über dem Markt. „Angenommen, es kommt wirklich eine Norm: eine maximale Anzahl Kühe pro Hektar. Dann ist es klug, jetzt schon darüber nachzudenken. Wie könnte ich meinem Betrieb zusätzliches Land zuordnen? Es gibt Sicherheit, wenn man diese Szenarien schon einmal durchdenkt.“
Vorsichtiger Optimismus
Trotzdem ist Marijn nicht pessimistisch. Im Gegenteil. „Die Basis ist gut. Die Niederlande sind ein echtes Milchland: Wir haben das Klima, das Wissen, die Unternehmer und eine starke verarbeitende Industrie mit kurzen Wegen. Die Nachfrage nach Milch bleibt weltweit hoch und wir sehen, dass das Angebot Mühe hat, mitzuhalten. Das bedeutet, dass die Bleibenden Perspektiven haben.“
Er sieht auch Investitionsbereitschaft bei Unternehmern. „Trotz Unsicherheit wollen Landwirte weitermachen. Man kann nicht zehn Jahre stillstehen, das passt nicht zum Unternehmertum.“
„Landwirte wollen nicht zehn Jahre stillstehen, sie wollen vorankommen.“
Manchmal bedeutet das Vergrößerung, manchmal gerade extensiveres Arbeiten. Aber immer mit Blick auf Zukunftsfähigkeit.
Technologie als stiller Motor
Ein wichtiger Faktor für diese Zukunft ist Technologie. Melkroboter sind inzwischen weit verbreitet, aber laut Marijn gibt es im Bereich Daten noch viel zu gewinnen. „Wir haben unglaublich viele Informationen, aber wir nutzen sie noch nicht optimal. Da liegen wirklich Chancen. Daten können helfen, effizienter zu füttern, die Gesundheit der Kühe besser zu überwachen oder Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.“
Nachhaltigkeit zu Geld machen
Nachhaltigkeit ist in den Niederlanden ein Schlüsselwort. Programme von Genossenschaften wie FrieslandCampina, Arla und Eko Holland zahlen einen Aufschlag für nachhaltig produzierte Milch. „Davon können Landwirte wirklich profitieren“, betont Marijn. Es gibt auch Unternehmer, die selbst Milchprodukte herstellen oder direkt verkaufen und so ihren Nachhaltigkeitsanspruch in Euro umsetzen.
International ist das jedoch schwieriger. „Der niederländische Verbraucher ist bereit, für Nachhaltigkeit zu zahlen. Aber in Deutschland oder Asien geht es häufiger um den Preis. Dort konkurrieren wir mit Ländern wie Neuseeland oder den USA, wo die Kosten niedriger sind. Das macht es schwierig, Nachhaltigkeit außerhalb der Niederlande voll zu Geld zu machen.“
„Nachhaltigkeit kann man in den Niederlanden zu Geld machen, international ist das schwieriger.“
Internationale Ströme: logisches Puzzle
Die Branche ist eng mit dem internationalen Handel verflochten. In den letzten Jahren kamen zum Beispiel Schlachtkühe aus Kroatien und Milch aus Deutschland, um die niederländische Verarbeitungskapazität aufrechtzuerhalten. „Das sind oft temporäre Lösungen“, erklärt Marijn. „Kurzfristig logisch, aber strukturell weniger nachhaltig. Dennoch wird es immer ein Ungleichgewicht geben. Und da ist ein Unternehmen wie VAEX sehr hilfreich: Sie können durch ihr Netzwerk dort einspringen, wo Bedarf ist – im In- und Ausland.“
Junge Unternehmer geben Vertrauen
Trotz aller Hürden sieht Marijn viel Energie bei der neuen Generation. „Junge Landwirte schauen über den eigenen Hof hinaus. Sie arbeiten zusammen, investieren in Daten und Technik und sind Unsicherheit gewohnt. Das gibt Vertrauen.“
Sein Rat an Milchviehhalter: „Kenne deine Zahlen und bleibe zukunftsorientiert. Lass dich nicht nur von der Bank oder dem Berater leiten, sondern sei selbst Eigentümer deiner Pläne. Dann kannst du bewusste Entscheidungen treffen, egal ob es um Land, Größe oder Nachhaltigkeit geht.“
Die Perspektive ist wirklich da
Die Branche steht vor großen Herausforderungen, aber die Zukunft bietet auch Chancen. Marijn schließt: „Die Perspektive ist wirklich da. Die Nachfrage nach Milch bleibt, Technologie bringt uns weiter und Nachhaltigkeit kann ein Geschäftsmodell sein. Für die Unternehmer, die bleiben, liegt eine schöne Zukunft vor ihnen.“
„Landwirte wollen nicht zehn Jahre stillstehen, sie wollen vorankommen.“
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