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Dirk Govers

Neue Regeln müssen praktikabel sein – für Tier und Landwirt

Isabel Pinto (ANTA) über die Anpassung der europäischen Transportverordnung

Die europäische Transportverordnung für Tiere steht kurz vor einer Änderung. Das betrifft alle in der Branche – vom Viehhalter bis zum Transporteur. Isabel Pinto, Präsidentin des spanischen Branchenverbands ANTA, verfolgt die Entwicklungen aufmerksam. In diesem Interview teilt sie ihre Sicht auf die vorgeschlagenen Anpassungen und erklärt, warum gute Absichten nicht immer zu besseren Ergebnissen führen. „Die neuen Regeln sollen das Tierwohl verbessern, aber sie müssen auch umsetzbar bleiben.“

Reisen, Ruhen und Rechnen

Laut Pinto dreht sich die Diskussion vor allem um drei Hauptpunkte: Reisezeiten, Temperaturen und Besatzdichten.

„Was viele vergessen, ist, dass der meiste Stress für ein Tier beim Be- und Entladen entsteht“, sagt sie. „Wenn wir also die maximale Reisezeit verkürzen, wie jetzt vorgeschlagen (von 24 auf 21 Stunden), führt das zu mehr Be- und Entladevorgängen. Und das ist alles andere als förderlich für das Tierwohl.“

Auch das Thema Temperatur wirft Fragen auf. „Wir setzen uns schon länger dafür ein, dass nicht nur die Temperatur im Laderaum gemessen wird, sondern auch die gefühlte Temperatur berücksichtigt wird. Denn ein Schwein, das in Südspanien lebt, ist an andere Bedingungen gewöhnt als eines aus Nordeuropa. Die Regeln sollten das berücksichtigen.“

Und dann gibt es noch das Thema Besatzdichte, also wie viele Tiere gleichzeitig transportiert werden dürfen. „Die vorgeschlagene neue Berechnungsmethode führt in der Praxis zu unbrauchbaren Ergebnissen. Wir müssen sicherstellen, dass die Regeln auch für die Menschen, die die Arbeit machen, umsetzbar bleiben.“

Großes Engagement in Spanien

Dass diese Änderungen die Branche bewegen, zeigt die enorme Anzahl an Rückmeldungen zur Konsultation der Europäischen Kommission: mehr als 3.100. Laut Pinto ist das kein Zufall.

„In Spanien sind sich Transporteuren und Viehhalter sehr bewusst, welche Auswirkungen diese Regeln haben. Jeder weiß: Das betrifft uns im Alltag, jeden Tag. Es ist also logisch, dass das Engagement groß ist. Auch bei ANTA merken wir, dass die Menschen aktiv mitdenken und reagieren. Sie wollen Regeln, die funktionieren – für Mensch und Tier.“

Spanien vs. Niederlande: Zwei Welten

Obwohl die Regeln europaweit gelten, ist die Umsetzung in jedem Land unterschiedlich. „In den Niederlanden gibt es oft eine strengere Auslegung“, erklärt Pinto. „Dort ist die Kontrolle strikter geregelt, mit mehr zentraler Steuerung und digitaler Überwachung.“

In Spanien ist die Situation anders. „Wir haben es mit verschiedenen Regionen zu tun, die jeweils ihren eigenen Ansatz verfolgen. Das sorgt manchmal für weniger Einheitlichkeit und macht die Kontrolle komplexer.“

Laut ihr kann dieser Unterschied in der Herangehensweise zu Verwirrung führen, besonders beim grenzüberschreitenden Transport. „Eine europäische Harmonisierung würde hier sehr helfen.“

Neue Regeln, neue Sorgen

Die Anpassungen bringen für Transportunternehmen viele Herausforderungen mit sich. Eine kürzere maximale Reisezeit bedeutet, dass Routen angepasst werden müssen, mit mehr Zwischenstopps oder dem Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge. „Das macht die Logistik komplizierter und sorgt für höhere Kosten“, sagt Pinto.

Auch der digitale Aspekt der neuen Vorschriften ist ein Thema. „Natürlich ist es gut, mit Systemen zu arbeiten, die Fahrten aufzeichnen und Temperaturen überwachen. Aber das erfordert Investitionen, Schulungen und Zeit. Für kleine Unternehmen ist das ein großer Schritt.“

Ein weiteres Problem sind die unterschiedlichen Auslegungen in den Ländern. „Das macht es schwierig, international zu arbeiten. Wenn wir in jedem Land andere Regeln anwenden müssen, wird es nicht einfacher.“

Chancen für die Zukunft

Trotzdem sieht Pinto auch Chancen. „Wenn wir das richtig angehen, kann die neue Gesetzgebung für klarere Regeln und bessere digitale Kontrolle sorgen. Das hilft nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Professionalisierung der Branche.“

Eine Voraussetzung ist für sie jedoch, dass die Regeln realistisch bleiben. „Sie müssen auf der Praxis basieren. Keine schönen Pläne auf dem Papier, die im Stall oder auf der Straße nicht umsetzbar sind.“

Aktive Rolle aus der Branche

ANTA ist im Namen Spaniens ganz vorne mit dabei. „Wir haben aktiv an der öffentlichen Konsultation teilgenommen und bleiben im Kontakt mit Europaabgeordneten aller Parteien“, berichtet Pinto. „Wir teilen Informationen, geben Input und arbeiten mit Kollegen in anderen Ländern zusammen. Unser Ziel ist klar: für eine ausgewogene, machbare und verständliche Gesetzgebung sorgen.“

Und das ist nötig, betont sie, denn die Auswirkungen dieser neuen Regeln werden groß sein. „Das wird ein Wendepunkt für die gesamte Branche. Wir wollen alle das Gleiche: gut für die Tiere sorgen. Aber es muss auch für die Menschen, die das jeden Tag tun, praktikabel bleiben.“

„Sorgt für gleiche Spielregeln für alle.“

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