Tierseuchen haben nicht nur erhebliche Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere, sondern stellen auch eine große Belastung für die Viehhaltung und den internationalen Handel dar. Ausbrüche wie Blauzungenkrankheit und Afrikanische Schweinepest zeigen, wie schnell ein gesamter Sektor aus dem Gleichgewicht geraten kann, wenn Exportmärkte schließen, Preise fallen und Landwirte ihre Einnahmen verlieren. In diesem Artikel beleuchten die Experten Lianne van Dongen und Stefano Merlini die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krankheiten und zeigen auf, welche Herausforderungen und Lösungen es für die Zukunft gibt.
Lianne van Dongen, Veterinärdirektorin bei Vee&Logistiek Nederland, vertritt die Interessen von Viehhändlern und Transportunternehmen. Mit Erfahrung als Tierärztin in Norwegen, Neuseeland und den Niederlanden setzt sie sich seit sieben Jahren für bessere Exportmöglichkeiten für niederländisches Vieh ein. Ihre Arbeit umfasst Regelwerke, Tiergesundheit und internationale Zusammenarbeit. Besonders der Ausbruch der Blauzungenkrankheit hat große Auswirkungen auf den Sektor.
Die Blauzungenkrankheit ist eine Viruserkrankung bei Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen, die durch Gnitzen übertragen wird. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, verursacht aber erhebliche wirtschaftliche Schäden. Symptome wie Fieber, vermehrter Speichelfluss und Gewichtsverlust führen zu Produktionseinbußen. Seitdem die Niederlande im September 2023 ihren blauzungenfreien Status verloren haben, liegt der Export weitgehend brach. Dadurch wurden 2023-2024 innerhalb der EU 57.200 Rinder weniger exportiert. Dieses Überangebot drückte die Preise auf dem Binnenmarkt, mit gravierenden Folgen für die Landwirte.
Prävention und Maßnahmen
Die Bekämpfung der Blauzungenkrankheit bleibt eine Herausforderung. Dennoch können Landwirte verschiedene Maßnahmen ergreifen:
„Wir arbeiten mit der NVWA und den Ministerien zusammen, um die Auswirkungen zu begrenzen und einen sicheren Export über TVBI’s zu ermöglichen“, so Lianne.
Internationale Zusammenarbeit
Die Blauzungenkrankheit macht nicht an Landesgrenzen halt. Die Zusammenarbeit mit europäischen Organisationen wie der UECBV ist daher unerlässlich. „Eine Harmonisierung der Vorschriften innerhalb der EU kann Verwirrung im Handel verhindern“, betont Lianne. Auch setzt sich Vee&Logistiek Nederland für die Entwicklung und Finanzierung neuer Impfstoffe ein, die entscheidend für die Kontrolle vektorübertragener Krankheiten sind.
Die Zukunft
Die Blauzungenkrankheit lastet schwer auf dem Sektor, doch Lianne sieht Widerstandsfähigkeit und Innovation als Schlüssel für eine starke Zukunft. „Der Klimawandel führt zu mehr vektorübertragenen Krankheiten. Mit besserer internationaler Abstimmung und neuen Technologien können wir den Sektor gegen zukünftige Risiken schützen.“
Dr. Stefano Merlini, Tierarzt und strategischer Leiter im Agrarsektor, verbindet Praxiserfahrung und Fachwissen, um Herausforderungen wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) zu analysieren. Als CEO eines europäischen Futtermittelunternehmens hat er ein scharfes Auge für Unternehmensentwicklung und Strategien und gilt als maßgebliche Stimme in Diskussionen über Tierseuchen.
Die Afrikanische Schweinepest, eine Viruserkrankung, die Schweine betrifft, hat den europäischen Schweinesektor stark unter Druck gesetzt. Das Virus verbreitet sich schnell durch infizierte Tiere, kontaminiertes Futter und Wildschweine. Obwohl ASP für Menschen ungefährlich ist, sind die wirtschaftlichen Folgen erheblich. Exportmärkte schließen ihre Türen und Landwirte werden hart getroffen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Landwirte
Bei einem Ausbruch ist die Keulung aller Tiere vorgeschrieben, mit katastrophalen Folgen für die Einnahmen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Wiederaufbau und Biosicherheit. „Viele Landwirte sehen ihr Lebenswerk in Rauch aufgehen“, so Merlini. Handelsbeschränkungen verschärfen die Situation zusätzlich, wodurch die finanzielle Belastung für die Landwirte weiter steigt.
Export und internationaler Handel unter Druck
Der europäische Schweinesektor ist stark auf den internationalen Export angewiesen. ASP-Ausbrüche führen jedoch zu strengen Handelsbeschränkungen, was den Zugang zu den Weltmärkten einschränkt. Auch Transportkontrollen und Quarantäneauflagen machen die Logistik komplizierter, mit negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten.
Prävention und die Zukunft des Sektors
Laut Merlini ist strikte Biosicherheit unerlässlich. „Die Begrenzung des Kontakts mit Wildschweinen und der Einsatz von virusfreiem Futter sind entscheidend“, sagt er. Innovationen wie schnelle Diagnostik sind ebenfalls notwendig. Dennoch warnt er, dass wiederkehrende Ausbrüche die Produktionskapazität verringern und die Verbrauchernachfrage beeinflussen können.
Internationale Zusammenarbeit ist entscheidend
ASP kennt keine Grenzen, weshalb die Zusammenarbeit zwischen den Ländern unverzichtbar ist. Der Austausch von Wissen, die Harmonisierung von Handelsregeln und die Überwachung von Wildschweinen sind laut Merlini notwendige Schritte. Internationale Koordination kann auch die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigen – ein möglicher Wendepunkt im Kampf gegen ASP.
Mit gezielten Investitionen und Zusammenarbeit kann der europäische Schweinesektor diese Herausforderung meistern, so Merlini.
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